Fünf Jahre älter war er als ich
und meines Wissens nicht in festen Händen. Er schien nur für seinen Sport zu leben.
Eines Tages konnte ich wegen einer sehr interessanten Sondervorlesung nicht zum Training
erscheinen. Als ich ihn telefonisch verständigte, reagierte er sofort: "Komm doch einfach
später. Ich bleibe gern ein bisschen länger. Dann kann ich mich mal etwas intensiver um dich
kümmern. Man kann ja sonst nie auf den einzelnen Teilnehmer eingehen, wenn an die
fünfzehn Leute auf der Matte sind."
Ich war mir nicht sicher, ob ich es mir nur einbildete, oder ob ich da wirklich einen ganz
besonderen Ton herausgehört hatte, wie er sich um mich kümmern wollte. Ich entschloss
mich jedenfalls, alles auf eine Karte setzte. Während ich sonst beim Training einen Body
unter der Kampfbekleidung trug, der all meine Reize fest verhüllte, stieg ich diesmal völlig
nackt in Hose und Kimono. Immer wieder musste ich darüber lächeln, dass die Jacke dieses
groben Kampfanzuges als Kimono bezeichnet wird. Ich hatte da zu Hause zwei viel
hübschere und vor allem aufregendere Exemplare. Meinen Gürtel legte ich bewusst nur ganz
locker an.
Ich hatte gut kalkuliert. Micha empfing mich mit dem Versprechen, mit mir ein paar Griffe zu
üben, die eigentlich nicht zum üblichen Judo gehörten, aber sehr gut dazu angetan waren, sich
zu wehren, wenn man von hinten angegriffen wird. Im Geist gratulierte ich mir zu meiner
perfekten Präparation.